Auf dieser Seite erfahren Sie, wie die Buteyko-Methode entstanden ist und welche Grundlagen hinter dem Atemtraining stehen. Zunächst geht es um die Geschichte und Entwicklung der Methode, anschließend um die Vorgänge im Körper, die unsere Atmung beeinflussen. Einige Abschnitte gehen etwas mehr in die Tiefe – ganz nach Ihrem Interesse.
Geschichte und Entwicklung der Buteyko-Methode
Ursprung der Methode
Die Buteyko-Methode wurde in den 1950er-Jahren von dem sowjetischen Arzt und Physiologen Konstantin Pawlowitsch Buteyko (1923–2003) entwickelt. Er beobachtete, dass Menschen mit Beschwerden häufig schneller, tiefer oder angestrengter atmeten. Daraus entstand seine zentrale Idee: Eine dauerhaft übermäßige Atmung kann Beschwerden verstärken, und eine ruhigere, möglichst natürliche und ökonomische Atmung kann den Körper unterstützen.
Buteyko untersuchte dabei besonders die Zusammenhänge zwischen Atmung, Kohlendioxid (CO₂) und körperlichen Funktionen. Bewegung und eine aktive Lebensweise spielten in seinem Ansatz eine wichtige Rolle.
Verbreitung der Methode
In der Sowjetunion wurde die Methode klinisch untersucht. Ein Erlass des Gesundheitsministeriums von 1985 sah weitere Untersuchungen zur Anwendung bei Asthma sowie die Entwicklung von Empfehlungen für Ärzte vor.
Ende der 1980er-Jahre gelangte die Methode nach Neuseeland und verbreitete sich von dort auch in Australien. Später wurde sie unter anderem in Großbritannien und weiteren Ländern bekannt.
Buteyko heute
Aus Buteykos Ansatz ist eine individuelle Atemschulung geworden, die auf den einzelnen Menschen abgestimmt wird und Atmung und Bewegung zusammenbringt.
Am besten untersucht ist die Methode bei Asthma. Einige Studien berichten unter anderem über eine geringere Nutzung von Bedarfssprays oder eine bessere asthmabedingte Lebensqualität. Die Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich, und die Wirkung auf die Lungenfunktion ist unklar. Eine Buteyko-Atemschulung kann daher eine Ergänzung zur ärztlich verordneten Asthmabehandlung sein, sie ersetzt diese aber nicht.
Für funktionelle Atembeschwerden, Atemnot bei Belastung oder über Jahre entwickelte ungünstige Atemmuster gibt es bislang weniger Forschung. In der Praxis kann Atemschulung auch dort eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn die eigene Atmung Beschwerden mit beeinflusst. Mehr dazu auf der Seite [Wirkungen].
Was beim Atmen im Körper geschieht
Atmen ist etwas ganz Selbstverständliches. Es geschieht die meiste Zeit, ohne dass wir darüber nachdenken müssen. Gleichzeitig ist unsere Atmung ein fein abgestimmter Vorgang, der weit mehr beeinflusst als nur die Versorgung mit Sauerstoff.
Kurz gesagt: Unser Körper passt die Atmung vor allem anhand des CO₂-Partialdrucks und des pH-Werts im Blut an. Wenn wir mehr atmen, als unser Stoffwechsel gerade benötigt, kann der CO₂-Partialdruck sinken. Das kann Beschwerden wie Schwindel oder Kribbeln auslösen oder verstärken. Im Buteyko-Training lernen Sie, Ihre Atmung bewusster wahrzunehmen und unnötige Atemanstrengung behutsam zu reduzieren.
Sie brauchen dafür keine medizinischen Vorkenntnisse. Mir ist wichtig, dass Sie nachvollziehen können, warum es beim Atemtraining nicht darum geht, möglichst tief oder möglichst viel zu atmen.
Kohlendioxid – mehr als ein Abfallprodukt
Wenn wir an die Atmung denken, steht meist der Sauerstoff im Vordergrund. Wir atmen ihn ein, unser Körper benötigt ihn zur Energiegewinnung, und wir geben Kohlendioxid wieder ab. Doch CO₂ ist nicht einfach ein Abfallprodukt, das möglichst schnell aus dem Körper entfernt werden muss.
Kohlendioxid entsteht bei den Stoffwechselvorgängen in unseren Zellen. Es wird über das Blut zur Lunge transportiert und dort abgeatmet. Dabei erfüllt es wichtige Aufgaben: Es ist an der Regulation des Säure-Basen-Haushalts beteiligt und beeinflusst, wie gut Sauerstoff vom Blut an das Gewebe abgegeben werden kann.
Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst viel CO₂ auszuatmen, sondern dass Bildung und Abgabe im passenden Verhältnis zueinander stehen.
Was bei übermäßiger Atmung passiert
Unsere Atmung passt sich normalerweise dem Bedarf des Körpers an: Bei körperlicher Anstrengung atmen wir mehr, in Ruhe meist weniger. Auch Aufregung, Stress, Schmerzen oder bestimmte Erkrankungen können die Atmung verändern.
Wenn wir mehr Luft bewegen, als unser Stoffwechsel gerade benötigt, sprechen Fachleute von Hyperventilation. Dabei kann mehr CO₂ abgeatmet werden, als im Stoffwechsel entsteht. Der CO₂-Partialdruck im Blut sinkt. Das kann verschiedene Beschwerden auslösen, zum Beispiel Schwindel, Kribbeln, Benommenheit, ein Gefühl von Enge oder das Empfinden, nicht richtig durchatmen zu können.
Manche Menschen verspüren dann den Drang, besonders tief einzuatmen oder wiederholt nach Luft zu holen. Dadurch kann sich die Atmung weiter verstärken.
An diesem Zusammenhang setzt ein wichtiger Ansatzpunkt des Buteyko-Atemtrainings an: Wir richten die Aufmerksamkeit darauf, wie viel wir atmen und wie sich die Atmung in Ruhe und bei Belastung verhält. Ziel ist eine ruhige, angemessene und möglichst mühelose Atmung – nicht, Luft anzuhalten oder die Atmung gewaltsam zu unterdrücken.
Nicht jede Atemnot hängt mit dem Atemmuster zusammen. Atembeschwerden können viele unterschiedliche Ursachen haben.
Wie wird unsere Atmung reguliert?
Die Atmung wird größtenteils automatisch gesteuert. Spezielle Sensoren im Körper registrieren Veränderungen des CO₂-Partialdrucks, des pH-Werts und – unter bestimmten Bedingungen – des Sauerstoffgehalts. Das Atemzentrum verarbeitet diese Informationen und passt die Atmung entsprechend an.
Daneben können wir unsere Atmung bewusst beeinflussen: Wir können langsamer oder schneller, tiefer oder flacher atmen und den Atem für kurze Zeit anhalten. Diese bewusste Kontrolle ist in ein Regulationssystem eingebettet, das lebenswichtige Funktionen selbstständig aufrechterhält.
Auch unsere Gefühle und Gewohnheiten wirken auf die Atmung. Bei Stress wird sie häufig schneller oder ausgeprägter. Wer wiederholt das Gefühl hat, nicht genug Luft zu bekommen, beginnt vielleicht, besonders tief zu atmen, häufig zu seufzen oder ständig den eigenen Atem zu überprüfen. So kann sich ein ungünstiges Atemmuster entwickeln oder verstärken.
Das geschieht nicht absichtlich und ist kein persönliches Versagen. Solche Atemmuster können sich über längere Zeit entwickeln und durch verschiedene körperliche oder psychische Faktoren beeinflusst werden. Im Atemtraining lernen Sie, solche Muster wahrzunehmen und behutsam zu verändern. Dabei geht es nicht darum, jeden Atemzug zu kontrollieren. Vielmehr soll die Atmung mit der Zeit wieder ruhiger und selbstverständlicher werden. Auch bei Bewegung und Sport lernen Sie, Ihre Atmung dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.
Wenn Sie es genauer wissen möchten
Die beiden folgenden Abschnitte vertiefen die Physiologie. Sie sind für das Verständnis des Trainings nicht notwendig.
Der Bohr-Effekt: Wie Sauerstoff ins Gewebe gelangt
Sauerstoff wird im Blut überwiegend an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden transportiert. In der Lunge nimmt das Hämoglobin Sauerstoff auf, im Gewebe gibt es ihn wieder ab, damit die Zellen ihn nutzen können.
Dabei spielt Kohlendioxid eine Rolle: Steigt der CO₂-Gehalt im Gewebe, sinkt dort in der Regel auch der pH-Wert etwas. Unter diesen Bedingungen bindet Hämoglobin Sauerstoff weniger fest und gibt ihn leichter an das Gewebe ab. Diesen Zusammenhang nennt man Bohr-Effekt.
Er ist ein normaler und wichtiger Bestandteil der Sauerstoffversorgung unseres Körpers und physiologisch gut belegt. Im Zusammenhang mit der Buteyko-Methode wird der Bohr-Effekt häufig herangezogen, um die Bedeutung von CO₂ zu erklären.
Wie stark er bei einem einzelnen Menschen für Beschwerden eine Rolle spielt, hängt jedoch von der jeweiligen Situation und den zugrunde liegenden Ursachen ab. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass weniger zu atmen bei jedem Menschen die Sauerstoffversorgung verbessert.
Der Säure-Basen-Haushalt: ein fein abgestimmtes Gleichgewicht
Damit unsere Zellen zuverlässig arbeiten können, muss der pH-Wert des Blutes in einem engen Bereich gehalten werden. Der Körper verfügt dafür über mehrere Regulationsmechanismen, die zusammenarbeiten.
Die Lunge beeinflusst dieses Gleichgewicht, indem sie Kohlendioxid abgibt: Atmen wir mehr CO₂ ab, als im Stoffwechsel entsteht, kann der pH-Wert des Blutes ansteigen. Bleibt mehr CO₂ im Körper, kann er sinken. Die Nieren tragen ebenfalls zur Regulation bei, indem sie Säuren ausscheiden und Bicarbonat regulieren.
Beim Atemtraining geht es nicht darum, diese Prozesse zu erzwingen, sondern die Atmung angemessen und ohne unnötige Anstrengung geschehen zu lassen. Eine bestimmte Atemtechnik „entsäuert“ den Körper nicht und kann den pH-Wert auch nicht beliebig regulieren: Die Regulation ist komplex und wird vom Körper eng kontrolliert.
Was bedeutet das für das Buteyko-Atemtraining?
Die Buteyko-Methode geht davon aus, dass eine übermäßig ausgeprägte Atmung bei manchen Menschen eine Rolle bei ihren Beschwerden spielen kann. Deshalb stehen eine sanfte Reduzierung der Atemanstrengung, eine ruhige Nasenatmung und der bewusste Umgang mit dem Atem im Mittelpunkt.
Im Training üben Sie, Ihre Atmung wahrzunehmen, unnötig große Atemzüge zu erkennen und die Atmung schrittweise zu beruhigen – ohne Druck und ohne das Gefühl, gegen den eigenen Körper arbeiten zu müssen.
Die zugrunde liegenden physiologischen Zusammenhänge, etwa die Bedeutung von CO₂ für die Atemregulation und der Bohr-Effekt, sind gut untersucht. Wie wirksam die Methode bei bestimmten Beschwerden ist, ist davon getrennt zu betrachten; hier ist die Studienlage begrenzter (siehe [Wirkungen]).
Atemtraining kann eine sinnvolle Ergänzung sein. Es ersetzt weder eine notwendige ärztliche Abklärung noch eine medizinische Behandlung.
Mir geht es nicht darum, Ihnen eine bestimmte Atemweise vorzuschreiben. Ich möchte Ihnen helfen, Ihre Atmung besser zu verstehen und herauszufinden, ob und wie Sie sie im Alltag günstig beeinflussen können. Die Übungen werden an Ihre persönliche Situation angepasst und sollen Ihnen Schritt für Schritt mehr Sicherheit im Umgang mit Ihrer Atmung geben.